“Inferno”
von Dan Brown
688 Seiten
26 EUR (Gebundene Ausgabe)
Kleine Anmerkung vorneweg: ich habe das Buch auf Englisch gelesen, daher kann ich zur Übersetzung nichts sagen.
Ich bin ein riesen Dan Brown Fan. Mit Ausnahme von “Meteor” fand ich bisher alle Bücher einfach großartig und gerade die Serie rund um Robert Langdon hat es mir angetan. Das Rätselraten, die Twists in den Geschichten, die Spannung und auch das viele Hintergrundwissen, das in seinen Büchern steckt, begeistert mich. Kein Dan Brown Buch ohne eine lange Liste von Sachen, die ich nach oder sogar während des Lesens unbedingt googlen muss.
“Illuminati” hat mich dann sogar nach Rom geführt, um dort auf den Spuren Langdons zu wandeln – ein wunderbarer Kurzurlaub!
“Inferno” bringt uns jetzt in eine andere italienische Stadt – nach Florenz, der Heimat des großen Dichters Dante Alighieri.
Sein Werk, die “Göttliche Komödie”, steht im Mittelpunkt der Geschichte, sie ist die Basis dessen, was Robert Langdon diesmal in Atem halten wird.
Unser bekannter amerikanischer Professor wacht in einem Krankenhausbett auf und kann sich weder daran erinnern, wie er dahin gekommen ist, noch was in den Tagen zuvor geschah. Umso größer ist seine Überraschung als er feststellt, dass er nicht mehr in den USA, sondern in Italien – in Florenz – ist. Visionen einer Frau, die ihn bittet, etwas zu suchen und von toten Körpern in Flüssen und Erde machen ihm zu schaffen, doch bevor er darüber nachdenken kann, was das alles zu bedeuten hat, befindet er sich auf der Flucht vor einer Agentin, die ihn töten will und sie ist scheinbar nicht die Einzige, die es auf ihn abgesehen hat.
Und so beginnt der bekannte Wettlauf gegen die Zeit. Was steckt hinter dem Wissenschaftler, der die WHO vor einer Katastrophe gewarnt hat? Was hat die geheimnisvolle Organisation, die ihn so lange versteckt hat, damit zu tun? Was hat es mit den seltsamen Visionen auf sich? Und ist jeder der, der er vorgibt zu sein?
Dantes “Göttliche Komödie” bildet die Grundlage zur Handlung, der Abstieg in die Unterwelt, der Weg durch die verschiedenen Bereiche der Hölle, die verschlüsselte Sprache, der Aufstieg ins Paradies… Ich habe das Werk erst vor kurzem selbst gelesen und konnte daher “Inferno” umso mehr genießen. Es ist allerdings nicht notwendig Dantes Geschichte selbst gelesen zu haben, denn Brown achtet darauf, dass der Leser jederzeit weiß, um was es geht. Man erfährt viel über den Dichter, sein Leben, sein Werk, sein Genie und trotzdem wird es auf keiner Seite langweilig. So macht Geschichtswissen Spaß.
Die wirkliche Begabung Browns liegt allerdings, meiner Meinung nach, darin, die Orte seiner Handlung so zu beschreiben, dass man sie stets vor Augen hat. Und so entstand Florenz vor meinem inneren Auge, mit seinen Gärten, den Palazzos, den großen Plätzen und Museen, der Ponte Vecchio, dem Dom und seiner ganzen, glorreichen Geschichte. Die Handlung wird schnell vorangetrieben, die Kapitel sind kurz, die Sprache einfach und die Spannung stets vorhanden.
Mit Robert Langdon betritt man einfach vertrautes Terrain. Ich kann ehrlich gesagt die Leser nicht ganz verstehen, die alle Bücher dieser Reihe kaufen und sich dann beschweren, dass es eigentlich immer dasselbe Muster ist. Ich erwarte genau DAS von einem Brown/Langdon Duo. Ich erwarte die schnelle Handlung, die Rätsel, die Hetze, den geschichtlichen Hintergrund, die Lösungen und die Mickey Mouse Uhr. Ich erwarte auch, dass die Charaktere in diesen Büchern einfach intelligenter sind als der Rest, vielleicht auch besser aussehen und persönlich keine großartige Entwicklung durchmachen. Für mich steht die Handlung im Vordergrund. Ich will unterhalten werden und das kann Brown. Er webt ein Netz aus Verschwörungstheorien, Fakten, Möglichkeiten, Geschichtswissen, Spannung und Gefahr, in dem der Leser schon nach kurzer Zeit gnadenlos zappelt.
Ein weiterer Pluspunkt von “Inferno” ist für mich diesmal die Grundidee, denn es ist was dran, an der Theorie des Wissenschaftlers, etwas, was einem Angst machen kann….
Von mir gibt es 4,5 Sterne für diesen Höllenritt (einen halben ziehe ich ab, weil mir etwas zu viele Wiederholungen drin waren)
